Grabmale und Grabstätten

»Der Tod ist ein Schlaf, in welchem die Individualität vergessen wird: Alles andere erwacht wieder oder vielmehr ist wach geblieben.«
(Arthur Schopenhauer, 1788 - 1860)

Nicht gemeint ist die Errichtung zeitgenössischer Gräber auf unseren Friedhöfen. Es handelt sich vielmehr um die Erhaltung und Restaurierung historischer Grabstätten und Grabdenkmale bedeutender Persönlichkeiten unserer Geschichte. Eine kleine Auswahl von Beispielen, die wir mit großer Achtung, aber auch mit Stolz bearbeiten durften.

Wiederbestattung nach Restaurierung des Grabmales und anthropologischer Untersuchung der sterblichen Überreste

Erzherzog Friedrich II, Der Streitbare
(†1246, letzter Babenberger),
Kapitelsaal des Stiftes Heiligenkreuz/ NÖ:
Zur Zeit der 2. Türkenbelagerung 1683 kam es zur Zerstörung des ehemaligen Hochgrabs. Verblieben war lediglich eine am Boden liegende Grabplatte mit der Darstellung des aufgebahrten Erzherzog Friedrich des Zweiten. Bereits in den 70-er Jahren des 20. Jhdts. wurden Reste der originalen Grabsteinrahmung gefunden und richtigerweise dem einstigen Hochgrab zugeordnet. Durch einen glücklichen Zufall gelang es mir, weitere Fragmente der Grabanlage aufzufinden und zu identifizieren. Als eine ebenso zufällige Bestimmung ist zu werten, daß sich genau zu dieser Zeit Dr. Friedrich Dahm im Rahmen seiner Habilitationsschrift intensiv mit diesem Thema beschäftigte und sein historische Wissen und seine neuersten Erkenntnisse freundlicher Weise zur Verfügung stellte. So konnte im Rahmen einer breit angelegten Diskussion zwischen dem Eigentümer (Zisterzienserabtei Heiligenkreuz), dem Bundesdenkmalamt und mir entschieden werden, neben einer umfassenden Restaurierung und Konservierung, auch eine Rekonstruktion zu wagen. 

Kaiser Ferdinand I.
(†1875), Kapuzinergruft/ Wien:
Durch die, für die Zinnsärge unbedingt notwendige, Installation einer Klimaanlage in der tief unter Straßenniveau befindlichen Kapuzinergruft in Wien, kam es zur Kristallisation aufsteigender Bodensalze. Salzschäden hatten dem steinernen Sarkophagsockel erheblich zugesetzt. Die Devastation manifestierte sich in Form großflächiger, oberflächenparalleler Abplatzung der Gesteinsoberfläche. Nur durch den Abbau des Grabmals und durch umfangreiche Entsalzungsmaßnahmen im Atelier konnten die Schadsalze extrahiert werden. Die Reinigung der Oberfläche sowie die Ergänzung der bislang eingetretenen Fehlstellen, insbesonders aber die Herstellung einer bleiernen Horizontalisolierung und ein nunmehr hinterlüfteter Wiederaufbau, sichern den weiteren Fortbestand dieser historisch bedeutenden Grabanlage. 

Gruftkapelle, Franz Josephs 
Kapuzinergruft/ Wien:
Der Begräbnisraum von Kaiser Franz Joseph, seiner Frau Elisabeth und seines Sohnes Kronprinz Rudolph sowie die anschließende Gruftkapelle sind mit weißen Marmorplatten und schwarzen Kalksteinsockeln verkleidet. Die nahezu ein Jahrhundert vom Gruftgemäuer her einwirkende Feuchtigkeit und die daraus resultierenden Schäden erforderten eine gänzlich neue Verhängung der Marmorverkleidung. Ein ausgeklügeltes, vollkommen neu entwickeltes Montagesystem aus Nirostahl, die Auswechslung noch originaler, durch Rost jedoch völlig zerstörter Stahltraversen und restauratorische Maßnahmen wie Entsalzung, Reinigung und Konservierung des Marmormaterials ermöglichten die Wiederherstellung des originalen Erscheinungsbildes unter ausschließlicher Verwendung der originalen Substanz. 

Grabplatte Leopold der V (Der Tugendhafte)?
Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz/NÖ:
Über kaum ein anderes Grabdenkmal wird seit Generationen von Historikern so viel gerätselt als über dieses. Ist es überhaupt eine Grabplatte? Oder doch ein Prophetenrelief? Daniel mit dem Löwen?
Die Inschrift auf der einen Seite bezeugt eindeutig eine Grabplatte für Berthold de Treun, dem Bannerträger von Herzog Friedrich II. Aber das ist die zweite Verwendung der Steinplatte! Die ursprüngliche Seite der Erstverwendung jedoch zeigt keine Inschrift (mehr?), dafür aber eine außergewöhnliche, skulpturale Reliefdarstellung. Eine Darstellung, die sogar für irre, rassistische Interpretationen eines Adolf Joseph Lanz (Jörg Lanz von Liebenfels, 1874 – 1954) herhalten musste. Letzte Forschungsergebnisse durch Elisabeth Oberhaiacher- Herzig Ende der 90er Jahre erscheinen mir jedoch durchaus plausibel: Leopold V, ein großer Gönner des Stiftes, dargestellt mit dem - in Anspielung auf Richard Löwenherz - zu seine Füßen kauernden Löwen. König Richards Gefangennahme hatte für Leopold V seitens des Papstes schwerwiegende Folgen, bis hin zur Exkommunikation. Die Schwurhand soll das Versprechen der Rückgabe des Lösegeldes bezeugen und dem totkranken Herzog ein christliches Begräbnis ermöglichen.
Im Rahmen der von uns vorgenommenen Restaurierung und Konservierung der Reliefseite wurde eine porengenaue Kopie der Rückseite mit der Inschrift des Berthold de Treun im Abformungsverfahren hergestellt. Damit kann neben der spektakulären Reliefdarstellung auch die sekundäre Verwendung des Berthold de Treun dem Besucher präsentiert werden.

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