Allgemeines
Die Fassade

Die Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten erfolgten auf Grund der Beauftragung durch die "Burghauptmannschaft Österreich" vom 29 10 2002 (Zl.230.020/11-Hn/02; Gf.Nr. 9923200110)

Der Leistungszeitraum für die Durchführung der Arbeiten erstreckte sich von Mitte März bis Ende Mai 2003.

Als Grundlage für die zu erbringenden Arbeitsschritte diente zunächst eine in den Ausschreibungsunterlagen beiliegende Leistungsbeschreibung. Nach der genaueren Begutachtung der einzelnen Positionen mit einem Gerüst, wurde nach Beiziehung und in Absprache mit der Denkmalbehörde (Univ.Doz.Dr. F.Dahm) das ursprüngliche Leistungsverzeichnis modifiziert und den objekt-spezifischen Erfordernissen angepaßt.

Die Kollaudierung der abgeschlossenen Arbeiten erfolgte durch den AG (Hr. Schabel) gemeinsam mit Hrn.Dr. Dahm (BDA).

 

 

Auflistung der Figuren und der ausführenden Künstler:

(von links nach rechts)

1. Markomanne Johann Scherpe

2. Römischer Legionär Wilhelm Seib

3. Bajuware Anton Brenek

4. Missionar Carl Kundmann

5. Slawe Johann Kolloc

6. Fränkischer Gefreiter Edmund Hellmer

7. Magyare Rudolf Weyr

8. Kreuzfahrer Viktor Tilgner

9. Seefahrer Josef Kassin

10. Ritter Stefan Schwarz

11. Magister Edmund Hofmann

12. Kaufmann Hugo Haerdtl

13. Bürger Emmerich Alexander Swoboda

14. Bergmann Werner David

15. Landsknecht Anton Schmidgruber

16. Soldat Wallensteins Franz Koch

17. Pole von 1683 Anton Brenek

18. Wiener Bürger von 1683 Richard Kauffungen

19. Befreiter Bauer Anton Paul Wagner

20. Tiroler von 1809 Johann Silbernagl

 

Materialbeschreibung:
Objekt 4 vor der Reinigung

Laut Alois Kieslingers "Die Steine der Wiener Ringstraße" (Franz Steiner Verlag GesmbH 1972) handelt es sich beim Material der Figur Nr. 4 (Missionar) und deren Volutensockel um einen Kreidekalk von Mazana, Istrien. Im Zuge der Arbeiten zeigten sich hinsichtlich der Materialfrage zwischen den Figuren keinerlei Unterschiede.

 

Man kann daher davon auszugehen, daß alle Figuren aus ein und demselben Material gefertigt sind.

 

 

ZUSTANDSBESCHREIBUNG

 

Verwitterungsmechanismen

Objekt 4 nach der Reinigung

Kieslinger schreibt in seiner Publikation auch damals schon über die starke Zäpfchenbildung des Sinters an regengeschützten Stellen (S 265). Vor mehr als einem Jahrzehnt wurde meines Wissens die Neue Burg einer umfassenden Reinigung unterzogen.

Vor mehr als einem Jahrzehnt wurde meines Wissens die Neue Burg einer umfassenden Reinigung unterzogen. Die an der linken Abbildung noch deutlich sichtbare Versinterung wurde dabei sicherlich zur Gänze entfernt. Die Sinterablagerungen sind inzwischen wiederum großflächig entstanden und bedecken im direkten Vergleich absolut die gleichen Flächen.

Unter der Sinterschicht ist die Gesteinsoberfläche in nahezu unverwittertem Zustand (Detailphoto Nr.5). Wie bereits im Rahmen einer Studie im Jahre 2001 am Burgtheater erkannt wurde, bildet der Sinter bei dieser Gesteinsvarietät geradezu einen Schutz gegen Verwitterung (im Vergleich dazu verursacht er bei entsprechender Schichtstärke große Schäden bei den sog. Leithakalken). An aufsichtigen und beregneten Flächen hingegen ist der Stein ausgelaugt und weißlich vergipst (Detailphoto Nr.6).

Dieses Phänomen ist auf die hohe Löslichkeit des Kreidekalkes aus Mazana gegenüber sauren Luftschadstoffen und Regen zurückzuführen: Die oberflächennahen Bereiche werden angelöst und mit dem Wasser weg gewaschen, wobei die härteren Fossilien und Korallenschotter diesem Säureangriff widerstehen und eine angerauhte Oberfläche mit herausstehenden Körnern entsteht.

 

Verschmutzung

Die Sinterkrusten

Neben der optisch augenscheinlicheren Verschmutzung durch Sinterkrusten ist die gesamte Oberfläche von einen fettig- rußigen Staubschicht, jedoch nicht von biogenen Auflagen verunreinigt.

 



Oberflächenstrukturen

Die originalen Bearbeitungsspuren sind noch erkennbar

Wie bereits oben beschrieben, sind an zahlreichen Stellen noch die originalen Bearbeitungsspuren erkennbar. Sie befinden sich naturgemäß vorallem an untersichtigen oder vor Bewitterung geschützten Bereichen und zeigen die mit verschiedensten Steinmetz-Werkzeugen strukturierte Oberflächengestaltung.

Aber auch an Architektursteinen und Profilen sind originale Ritzungen erhalten geblieben (Detailphoto Nr.2).

 

Sonstige Zustände

  • Geringfügigste Fehlstellen, jedoch eine Vielzahl von Kleinstkittungen auf Weißzementbasis bei kavernenartigen Inhomogenitäten im Stein;
  • Irreversible, tief in den Stein eingedrungene Grünverfärbungen durch Ablaufwasser von den Gesimseverblechungen (basisches Kupfersulfat);
  • Grünspanige, jedoch unbeschädigte Hellebarde bei Figur Nr. 5: Slawe in gut erhaltenem Zustand;
RESTAURIERUNGSMASSNAHMEN
Reinigung Entfernung der losen Schmutzschichten mit Heißdampfgerät bei 40 bar Druck und 120°C Temperatur;
Sinterentfernung Vorarbeit und Dünnen des dicken Knospensinters mit feinen Bildhauerraspeln und schichtweise Abtragung der flächigen Sinterschichten mit JOS- Mikrodüse und dolomitischem Gesteinsmehl (Druck: 0,8 - 1,2 bar);
Kittungen&Fugen Mechanische Entfernung der Mehrzahl aller zement-gebundenen Kittungen (fest anhaftende, rißfreie Plomben wurden eher belassen);
Festigung Die Festigung beschränkte sich auf eine partielle, klebende Sicherung rissiger Bereiche und dünner Schollen durch zweimaliges Aufbringen einer Akryllösung (Paraloid B72 5%/ in LM- Gemisch: Xylol : Butylacetat : Methoxypropylacetat = 1:1:1). Die Aufbringung erfolgte mit einer Spritze und Pinsel-zusicherung gegen unbeabsichtigtes Abrinnen der Überschusses. Diese Maßnahme war nur an wenigen exponierten Stellen und extrem dünnen Kanten erforderlich;
Ergänzungen Neuergänzung weniger Fehlstellen und offener Fugen mit mineralischer, hydraulischer Ergänzungsmasse (8RT Kalksteinsande : 1RT Kalkhydrat : 1RT Dyckerhof Weißzement). Zur besseren Anhaftung an die Fehl-stelle wurde ein Voranstrich aus 10%- igem Primal E330 aufgebracht und ebenso als Anmachwasser verwendet;
Verfugungen Offene Fugen wurden nur bei entsprechender Fugenstärke geschlossen. Der Zementanteil des verwen-deten Verfugungsmaterials wurde im Vergleich zur Ergänzungsmasse etwas reduziert.
Metallattribut Trockenes Abreiben der Oberfläche mit Wish ab Schwämmen (hart) und Imprägnierung mit 3-fachem, verdünntem Akrylharz als Schutz vor weiterer Oxydation.
Farbliche Lasuren Auf Wunsch des BDA erfolgte eine farbliche Integrierung der gelblichen, vorher versinterten Stellen am Mittelteil des kubischen Unterteils am Figuren-sockel (Detailphoto Nr.2). Als Material kam eine verdünnte Silikonharzfarbe (Silcolin) in 3 lasierenden Schichten zur Anwendung;
Hydrophobierung Da die sehr geringe Saugfähigkeit des Manzana- Steines eine effiziente Flutung nicht zuläßt, wurde auf alle Oberflächenbereiche in mehreren Zyklen und sehr intensiv mittels Pinsel das Hydrophobierungsmittel aufgelegt (Cira Silin Spezial).
© 2010 Atelier Gurtner Wien